EthikJournal

Axel Bohmeyer (Berlin)

Editorial

"Legitimation(en) sozialprofessionellen Handelns" – die fünf Beiträge der Erstausgabe des EthikJournals setzen sich mit einem fundamentalethischen Thema auseinander und diskutieren aus verschiedenen moralphilosophischen Theorietraditionen die Möglichkeit, das Handeln Sozialer Professionen ethisch zu begründen. Damit wird die gängige Arbeitsteilung zwischen einer auf konkrete Lösungen moralischer Probleme fokussierten Angewandten Ethik und einer auf die Begründungsdiskurse konzentrierten Allgemeinen Ethik aufgehoben bzw. es wird hervorgehoben, dass Angewandte Ethik und Allgemeine Ethik ineinander greifen.

"Legitimation(en) sozialprofessionellen Handelns“ – die fünf Beiträge der Erstausgabe des EthikJournals setzen sich mit einem fundamentalethischen Thema auseinander und diskutieren aus verschiedenen moralphilosoph-ischen Theorietraditionen die Möglichkeit, das Handeln Sozialer Professionen ethisch zu begründen. Damit wird die gängige Arbeitsteilung zwischen einer auf konkrete Lösungen moralischer Probleme fokussierten Angewandt-en Ethik und einer auf die Begründungsdiskurse konzentrierten Allgemeinen Ethik aufgehoben bzw. es wird hervorgehoben, dass Angewandte Ethik und Allgemeine Ethik ineinander greifen. Denn eine strenge Trennung von Angewandter und Allgemeiner Ethik führt offensichtlich in eine Sackgasse: Die ethische Erörterung der komplexen moralischen Problemstellungen der Sozialen Praxis kann auf eine theoretische Fundierung nicht verzichten; zugleich sind die systematischen Reflexionen und Rekonstruktionen der Allgemeinen Ethik kein Selbstzweck, sondern sie bleiben auf eine gegenstandsspezifische Anwendung verwiesen, auf deren Basis dann die Diskussion problematischer Fälle und ethischer Aporien stattfinden kann.

Eine Ethik im Vollzug bzw. das kritisch-konstruktive Orientierungswissen der Ethik muss von den im Feld der Sozialen Professionen tätigen Personen in Gebrauch genommen werden können. Das zur Verfügung gestellte ethische Orientierungswissen muss im Sinne der moralphilosophischen Theorieentwicklung zugleich begründet bzw. gerechtfertigt werden. Eine solche Verhältnisbestimmung von Angewandter und Allgemeiner Ethik kann als programmatische Line des EthikJournals verstanden werden. Die theoretische Fundierung und der konkrete Bezug zur moralisch gehaltvollen Praxis Sozialer Professionen im Sozial- und Gesundheitswesen bzw. zum moralisch verwickelten Berufsalltag konkurrieren nicht miteinander, sondern sie ergänzen sich. Es geht darum, dass die verschiedenen moraltheoretischen Konzeptionen und normativen Leitbegriffe in konkreten moralischen Überlegungen zum Zuge kommen.

Ein weiterer programmatischer Zug des EthikJournals lässt sich mit dem Begriff der Vielfalt auf den Punkt bringen. Der reflexive Zugriff auf grundlagentheoretische und handlungspraktische Fragestellungen ist keines-wegs einheitlich. In der gegenwärtigen Moralphilosophie lassen sich unterschiedliche Paradigmen identifizieren: Moraltheorien in der Tradition Kants konkurrieren mit tugendethischen Ansätzen, kontraktualistische Moraltheo-rien und utilitaristische Konzeptionen stehen im Widerstreit. Zudem existiert eine Vielzahl weiterer, hybrider moraltheoretischer Ansätze.

Von den Leserinnen und Lesern des EthikJournals wird deshalb eine gewisse Ambiguitätstoleranz erwartet, ist doch die Tradition der Moralphilosophie durch eine große Vielfalt von Positionen geprägt. Wer die fünf Beiträge dieser Erstausgabe in Gänze studiert, der wird einen fundierten Einblick in verschiedene moralphilosophische Theorietraditionen erhalten, die durch ihre je eigene Perspektive das sozialprofessionelle Handeln normativ begründen bzw. die moralischen Ansprüche der Praxis Sozialer Professionen präzisieren.

Eine dritte Programmatik des EthikJournals ist hervorzuheben. Es handelt sich um ein periodisch erscheinendes E-Journal. Auf dem Weg der Netzpublikation werden insgesamt zweimal im Jahr ausschließlich Originalbeiträge veröffentlicht. Diese Artikel sind für die Nutzerinnen und Nutzer durch die Archivierung als Volltext dauerhaft frei verfügbar. Somit schließt sich EthikJournal der Idee des Open-Access an.

Den Autorinnen und Autoren dieser Erstausgabe des EthikJournals – Elisabeth Conradi (Stuttgart), Susanne Dungs (Feldkirchen in Kärnten), Andreas Lob-Hüdepohl (Berlin), Wolfgang Maaser (Bochum) und Michael Opielka (Jena) ist für ihre Bereitschaft zu danken, dass sie mit ihren Beiträgen nicht nur die Gründung eines neuen, frei zugänglichen E-Journals unterstützen, sondern mit ihren Ausführungen auch dazu beitragen, das EthikJournal inhaltlich zu profilieren. Mit der Hilfe solcher freigiebiger Autorinnen und Autoren kann es gelingen, das EthikJournal nachhaltig als ein Forschungsmedium zu etablieren, das den lebhaften Diskurs über ethische Fragen und normative Grundlagen Sozialer Professionen abbildet und die ethischen Erörterungen den im Kontext Sozialer Professionen tätigen Fachpersonen zugänglich macht. Der Anfang ist gemacht.

Weitere Artikel dieser Ausgabe

  • Michael Opielka (Jena/Berlin)

    1. Jg. (2013) Ausgabe 1
    Legitimation(en) sozialprofessionellen Handelns

    Gerechtigkeit und Soziale Arbeit - Sozialethische und sozialpolitische Perspektiven

    Abstract Der Beitrag bietet eine sozialpolitische Verortung der Sozialen Arbeit im Gerechtigkeitsdiskurs und vor allem im Diskurs um die Weiterentwicklung des Sozialstaats. Zunächst wird die ambivalente Beziehung von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit untersucht und eine Triangulation der Sozialen Arbeit aus sozialpolitischer und soziologischer Sicht vorgeschlagen. Im zweiten Schritt wird dies für die sozialpolitische Perspektive durchgeführt, um schließlich einige Anforderungen an die Professionalität Sozialer Arbeit in einer Bürgergesellschaft skizzieren zu können. Von zentraler Bedeutung ist dabei der Vorschlag, die in der bisherigen Diskussion zum Verhältnis von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit vorherrschende Dichotomisierung von Markt und Staat bzw. die Trias von Markt, Staat und Gemeinschaft, die sich bekanntlich auch in der Wohlfahrtsregimetypologie Gøsta Esping-Andersens (liberal/ sozialdemokratisch/konservativ) niederschlägt, um einen vierten Regimetyp, den „Garantismus“, zu erweitern – wobei die Frage lautet, ob ein solcher Regimetyp nicht nur eine sozialpolitische Perspektive weist, sondern ob er einer Sozialen Arbeit der Zukunft nützt.

  • Elisabeth Conradi (Stuttgart)

    1. Jg. (2013) Ausgabe 1
    Legitimation(en) sozialprofessionellen Handelns

    Ethik im Kontext sozialer Arbeit

    Abstract Der Artikel bestimmt das Aufgabengebiet der Ethik im sozialprofessionellen Kontext, indem er individualethische mit sozialethischen Fragen verbindet und die Grenzziehung zwischen beruflichem und außerberuflichem Handeln erwägt. Es wird erörtert, ob eine Ethik im Kontext sozialer Arbeit von der professionell tätigen Person oder der sozialen Einrichtung her gedacht werden sollte und inwiefern die ethischen Erwägungen auch für ehrenamtlich Engagierte von Belang sind. Weiter werden zwölf Elemente der Ethik der Achtsamkeit entfaltet und Care als ihr Schlüsselbegriff eingeführt. Es geht um Verantwortungsübernahme, Präsenz und Ermutigung, aber auch um Gabe-Handeln und Wertschätzung. Abschließend wird der Vorwurf des Maternalismus entkräftet.