EthikJournal

2. Jg. (2014) Ausgabe 2

Sterben und Tod

Andreas Lob-Hüdepohl (Berlin) Editorial

Fragen um Sterben und Tod haben derzeit Konjunktur: Die Öffentlichkeit Deutschlands bereitet sich in zahlreichen Wortmeldungen und Stellungnahmen auf eine parlamentarische Debatte des Deutschen Bundestages vor, in der um das Für und Wider eines strafbewehrten Verbotes organisierter Suizidbeihilfe oder einer Zulassung der ärztlichen Assistenz beim Freitod und vor allem aber um einen systematischen Ausbau der Palliativen Versorgung und Begleitung Sterbender gerungen werden wird – vermutlich in ähnlich zugleich engagierter wie nachdenklicher Weise, in der der Deutsche Bundestag vor einigen Jahren über die Neuordnung der gesetzlichen Bindungskraft von Patientenverfügungen diskutiert und entschieden hat. Etwas abseits, aber nicht minder relevant diskutiert die Fachöffentlichkeit erneut über jene Kriterien, die den Todeszeitpunkt eines Menschen zweifelsfrei indizieren sollen: Hirntod, Teilhirntod oder doch besser das frühere Kriterium des Herztodes, das 1968 durch die Harvard-Definition des Hirntodes abgelöst wurde?

  • Héctor Wittwer (Magdeburg)

    2. Jg. (2014) Ausgabe 2
    Sterben und Tod

    Sterben und Tod als Themen der Philosophie - eine kurze Darstellung mit einem Bick auf die Begleitung Sterbender

    Abstract Der Beitrag gibt einen kurz gefassten Überblick über die Philosophie des Todes. Im Mittelpunkt stehen dabei die vier zentralen Themen der philosophischen
    Thanatologie: (i) Was ist der Tod? (ii) Ist der Tod ein Gut oder ein Übel oder keines von beiden? (iii) Ist es vernünftig, den Tod zu fürchten? (iv) Wie sollen wir uns vernünftigerweise zu unserem bevorstehenden Tod verhalten? Die einflussreichsten Antworten auf diese Fragen werden ebenfalls behandelt. Am Ende wird anhand einiger Beispiele die Debatte über die Frage vorgestellt, ob sich der Tod als etwas Sinnvolles begreifen lässt oder ob er absurd ist. Im Hinblick auf die Bedürfnisse von Sterbenden und Praktikern dürfte diese Frage von besonderem Interesse sein.

  • H. Christof Müller-Busch (Witten/Herdecke/Berlin)

    2. Jg. (2014) Ausgabe 2
    Sterben und Tod

    Palliative Care - Geschichte und Konzept einer interdisziplinären Begleitung Schwerkranker und Sterbender

    Abstract Kaum ein Bereich der Medizin hat sich in den letzten 20 Jahren so dynamisch entwickelt wie Palliative Care/Palliative Medizin. Palliative Care ist nicht nur eine neue Spezialdisziplin für Menschen am Lebensende, sondern wird zunehmend auch in andere Bereiche integriert, die mit Sterben und Tod konfrontiert werden, beispielsweise die Intensivmedizin und Geriatrie. Die Berücksichtigung palliativer Aspekte sind für alle Professionen bedeutsam, die mit der Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen und deren Angehörigen befasst sind. Der bedürfnisorientierte Ansatz von Palliative Care ist für alte, multimorbide und demente Menschen besonders wichtig. Zur Palliativversorgung gehört nicht nur das Kümmern um optimale Symptomlinderung und eine einfühlsame Sterbebegleitung, sondern auch effektive Kommunikation und reflektiertes Entscheiden unter Achtung der Bedürfnisse und des Willens der Betroffenen. Die frühe Integration palliativer Aspekte in die gesundheitliche Begleitung kann dazu beitragen, dass die Abschiedsphase am Lebensende nicht nur von besserer Lebensqualität gekenn-zeichnet ist, sondern auch von einer besseren Akzeptanz des Sterbens. Der Umgang mit Selbstbestimmung im Respekt vor Autonomie ist in Palliative Care eine wichtiges Thema, das in der Konfrontation mit einer selbstbestimmten „Sterbehilfe“ nicht nur besondere kommunikative Fähigkeiten sondern auch eine eigene Positionierung benötigt.

  • Albert Mühlum (Bensheim)

    2. Jg. (2014) Ausgabe 2
    Sterben und Tod

    Hospiz - Palliative Care - Soziale Arbeit. Das Lebensende als finale Herausforderung

    Abstract Der Umgang mit Sterben, Tod und Trauer wandelt sich und fordert Individuen und Gesellschaft heraus. Eine überzeugende Antwort auf die Verdrängung und ‚Verwilderung‘ des Sterbens in der Moderne gibt die Hospizbewegung mit Angeboten solidarischer Begleitung und palliativer Hilfen für Sterbenskranke und ihre Angehörigen. Sterbe-/Trauerbegleitung und Palliativmedizin/-pflege − fachgerecht im Begriff Hospiz und Palliative Care gebündelt − bereiten einer neuen Sterbekultur den Weg. Die Soziale Arbeit ist dabei ein wichtiger Partner im multiprofessionellen Team. Wenn sie ihre sozialberufliche Kompetenz hospizlich fokussiert, trägt sie nicht nur zur Humanisierung dieser kritischen Lebensphase bei, sondern gewinnt als Hospiz- und Palliativsozialarbeit auch an Reife und gesellschaftlicher Bedeutung.

  • Ramona Bruhn (Hamburg) Andreas Heller (Wien) Benjamin Straßer (München)

    2. Jg. (2014) Ausgabe 2
    Sterben und Tod

    Palliative Begleitung von Menschen mit geistiger Behinderung

    Abstract Die Zahl älterer Menschen mit einer geistigen Behinderung steigt stark an. Behindertenhilfe, Palliative Care und Hospizarbeit sind mit neuen Anfor-derungen konfrontiert, die bislang nicht umfassend aufgegriffen wurden. Der Beitrag formuliert aus-gehend von einer Auseinandersetzung mit dem Behinderungsbegriff das Desiderat der Ausweitung von Angeboten der Palliative Care in Theorie und Praxis der Behindertenhilfe. Diese Forder-ungen werden durch die zentrale Maßgabe der Inklusion der UN-Behindertenrechtskonvention unterstrichen. Abschließend werden Elemente einer Ethik des Alltags in Einrichtungen der Behindertenhilfe skizziert.

  • Andreas Lob-Hüdepohl (Berlin)

    2. Jg. (2014) Ausgabe 2
    Sterben und Tod

    Bedeutungen und Bedrohungen menschenwürdigen Sterbens. Ethische Erkundungen in schwierigem Terrain

    Abstract Der Beitrag stellt ausgehend von begrifflichen Überlegungen zu Tod und Sterben einen Wandel ihrer kulturellen Deutungsmuster dar, der als Tranformationsprozess vom Sterben als Schicksal zum Sterben als Machsal charakterisiert wird. Ausgehend von dieser Beobachtung werden existenzielle und soziale Dimensionen menschlichen Sterbens in den Vordergrund und Sterben als Teil würdevollen Lebens dargestellt. Vor diesem Hintergrund werden abschließend die Gestaltbarkeit des Sterbens als Teil des Lebens und die Bedeutung von Trauer- im Sinne von Erinnerungsarbeit thematisiert.

  • Angelika Pillen (Berlin)

    2. Jg. (2014) Ausgabe 2
    Sterben und Tod

    Buchrezension: Annette Riedel: Ethik-Policy Palliative Sedierung. Theoretische Grundlegungen für ethische Abwägungen in der Praxis

    Abstract Wie Studien belegen, findet die umstrittene Behandlungsoption der palliativen Sedierung in den letzten Jahren in zunehmendem Maße Anwendung. Nicht zuletzt aufgrund dieser Tatsache ist das Thema in jüngster Zeit vermehrt in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangt, was unter anderem in der Veröffentlichung mehrerer Leitlinien zum Ausdruck kommt. Diese verfolgen das Ziel, Medizinern, die über die Anwendung der palliativen Sedierung entscheiden müssen, eine Orientierung im Sinne der „good clinical practice“ zu geben.